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Vom Entwicklungshelfer zum Doktor für „Wirtschafts-und Entwicklungsanthropologie“

18.09.2018

Teil 1

Nach sechsjährigem Einsatz als Missionar und Entwicklungshelfer in Äthiopien wurde P. Stan Nwaigwe nach Belgien gesandt, um weiter zu studieren. Der 47-jährige Spiritaner beschäftigte sich in seiner Masterarbeit mit der Thematik „Kultur und Entwicklungsstudien“. Seine Doktorarbeit aber wurde der „Wirtschafts-und Entwicklungsanthropologie“ gewidmet. P. Stan, der ein Jahr lang die Englischsprachige Gemeinde in Broich bei Würselen betreute, wird am 24. September seine Doktorarbeit verteidigen. In einem Interview mit P. Samuel Mgbecheta, CSSp erklärt er, was ihn dazu bewogen hat, Anthropologie zu studieren. Darüber hinaus gibt er einen kleinen Einblick in das Ergebnis seiner Arbeit.

P. Stan Nwaigwe

Pater Stan Nwaigwe CSSp, ehemaliger Spiritanermissionar und Entwicklungshelfer in Äthiopien.

Pater Samuel: Vor deiner Reise nach Belgien, um an der Katholischen Universität Leuven weiter zu studieren, warst du als Missionar in Äthiopien tätig. Kannst du deinen Einsatz kurz beschreiben?

Pater Stan: Insgesamt sechs Jahre habe ich in Äthiopien gearbeitet. In diesem Land, das am Horn von Afrika liegt, ist das Missionsverständnis anders als das, was man in meiner Heimat unter dem Begriff versteht. Ich stamme aus Süd-ost Nigeria und dort habe ich all meine priesterlichen Ausbildungen absolviert.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass Missionare, die nach Äthiopien gehen wollen, um „nur“ die Frohbotschaft Jesu zu verkünden, sich schwertun eine Einreiseerlaubnis zu bekommen. Aber wenn sie zeigen können, dass sie als Entwicklungshelfer hingehen, werden sie mit offenen Armen empfangen. Mit anderen Worten, Missionare werden an erster Stelle als Mitarbeiter in der Entwicklungszusammenarbeit gesehen und dementsprechend aufgenommen. Ihr Beitrag zum Aufbau geistlichen Lebens kommt vielleicht an zweiter Stelle, wenn überhaupt.

Aus diesem Grund muss jeder Missionar, der nach Äthiopien gehen will, dem Staat ein Projekt vorlegen. Der Staat prüft nach, ob das vorliegende Projekt für die menschliche und gesellschaftliche Entwicklung förderlich ist. Daher sind alle Ordensgemeinschaften in Äthiopien als Nichtregierungsorganisation eingestuft und beim Staat registriert.

Auch wenn es einem Missionar gelingt, eine christliche Gemeinde zu gründen, merkt er bald, dass er allein für jedes Bedürfnis der Gemeinde und deren Mitglieder sorgen muss. In einer solchen Situation sieht sich der Missionar verpflichtet, sich selbst um die Nöte der ihnen anvertrauten Menschen zu kümmern. Viele versuchen mit den wenigen Mitteln, über die sie verfügen, etwas in die Wege zu leiten und später suchen sie Unterstützung vom Ausland.

So ist ein Missionar in Äthiopien genauso ein wichtiger Partner der Geberorganisationen wie zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, die im ganzen Land zerstreut sind. Projekte erstellen, nach Geberagenturen suchen, Ressourcen der Geberagenturen in Empfang nehmen, gesponserte Projekte durchführen und Geberorganisationen über die Fertigstellung der Projekte berichten, gehören zum Alltag eines Missionars in Äthiopien. Sechs Jahre lang war ich mit solchen und ähnlichen Tätigkeiten beschäftigt. In den ersten drei Jahren brachte ich mich im Bildungssektor in der Borana Region ein. Da war ich Leiter eines Ausbildungsprogramms für junge Menschen in einem Wohnheim. In den übrigen drei Jahren arbeitete ich in einem Entwicklungsprojekt - Integrated Community Development Programme (ICDP) – mit. Auf Deutsch heißt das: „Ganzheitliches Gemeinschaftsentwicklungsprogramm.“ Ich war Berater für Schulbildung und Frauenrechte. Wie der Name vermuten lässt, beinhaltete das Programm die verschiedenen Aspekte der Entwicklung, wie z.B., Straßenbauprojekte, Schulprojekte, Gesundheitszentren, Bau von Getreidemühlen, Interessenvertretungsarbeit für Frauenförderung und die Betreuung von Aidspatienten. Dieses Entwicklungsprojekt kümmert sich um die Menschen in den Regionen Süd Omo und Arba Minch im Süd-osten Äthiopiens.

Pater Samuel: Seit wann lebst du in Belgien?

Pater Stan: Seit September 2007.

Pater Samuel: Warum hast du dich für die Katholische Universität Leuven (KU Leuven) entschieden?

Pater Stan: Während meines Theologiestudiums an der Theologischen Hochschule der Spiritaner in Nigeria lernte ich „Louvain Studies“, eine theologische Zeitschrift, die von der Katholischen Universität Leuven herausgegeben wird, kennen. Der Inhalt dieser Zeitschrift gefiel mir sehr. Bei meiner Suche nach einer guten Universität, wo ich mein Studium fortsetzen konnte, empfahl mir meine Ansprechperson die Katholische Universität Leuven. Ich habe sofort das Angebot angenommen.

Pater Samuel: Was hat dich dazu bewogen Anthropologie zu studieren?

Pater Stan: Meine aktive und direkte Beteiligung an Entwicklungsprojekten hat mein Interesse für dieses Gebiet geweckt. Deswegen habe ich mich für den Masterstudiengang im Fach „Cultures and Development Studies“ („Kultur-und Entwicklungsstudien“) beworben. Dieser Studiengang wird vom Institut für anthropologische Forschung in Afrika angeboten. Entwicklung gehört zu den wichtigsten Themen mit denen sich man in anthropologischen Studien auseinandersetzt. Dies gilt vor allem für Forschungen über „Wirtschafts-und Entwicklungsanthropologie.“ Über diese Thematik habe ich die Doktorarbeit geschrieben. Kurzum, ich wollte meine Erfahrungen aus meinem Einsatz in Äthiopien vertiefen.

Autor: Patres Samuel Mgbecheta, CSSp und Stan Nwaigwe, CSSp

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