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Wenn der Alltag vom gelebten Glauben durchdrungen wird … Teil 1

25.07.2018

Teil 1

Die typischen christlichen Begrüßungen in Tansania können einen interessanten ersten Einblick in die Verbindung von Alltag und Glauben liefern. Diese Begrüßungen zeigen wie sehr der Glaube hier, zumindest für viele Menschen, zum Alltag gehört.

Felix Fuchs

„Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, als MaZ (Missionar auf Zeit) nach Endulen zu gehen." Felix Fuchs

In diesem Teil Afrikas nehmen Begrüßungen eine besondere Stellung ein. Jedes Gespräch beginnt mit einem Austausch von Begrüßungen und Höflichkeiten, der durchaus einige Minuten dauern kann, bevor man zu seinem eigentlichen Anliegen kommt. In Kiswahili gibt es dutzende Begrüßungen, die nur von der Kreativität der Gesprächspartner eingeschränkt werden. Allerdings muss man – vor allem am Anfang – ein bisschen aufpassen, denn es gibt spezielle Begrüßungen für ältere Menschen und Respektpersonen, Begrüßungen für gleichaltrige und Jüngere, formelle und informelle Begrüßungen. Da man schnell beleidigend wirken kann, wenn man das nicht beachtet, waren für mich die religiösen Begrüßungen ein wahrer Segen, denn sie sind für alle Menschen gleich. Morgens auf dem Weg zur Arbeit, bei einem Besuch oder einfach auf der Straße; einen Christen kann man immer mit „Tumsifu Yesu Kristo!“ grüßen, worauf er „Milele amina!“ antwortet. Anstatt also „Hallo!“ oder „Guten Morgen!“ zu sagen, ist es vollkommen normal, sich mit „Gelobt sei Jesus Christus! – In Ewigkeit Amen!“ zu begrüßen. Ergreift man darüber hinaus in der Kirche oder bei Versammlungen das Wort, so gibt es noch viele weitere ähnliche Begrüßungen wie zum Beispiel „Kristo – Tumaini letu“ (Christus – Unsere Hoffnung“) oder „Mungu ni mwema – Kila wakati“ (Gott ist gut – Zu jeder Zeit).

Abschlussmesse nach einer Seminarwoche für Kinder.

Abschlussmesse nach einer Seminarwoche für Kinder.

Diese Begrüßungen zeigen, finde ich, gut, wie sehr der Glaube hier, zumindest für viele Menschen, zum Alltag gehört. Dass es sich dabei aber nicht nur um Worte handelt, sieht man auch an der Nutzung unserer Kirche. Man könnte es wohl so formulieren, dass die Kirche ziemlich ausgebucht ist. Wochentags startet das „Programm“ mit der Morgenmesse und endet mit dem Abendgebet der Internatskinder. Dazwischen gibt es vor allem Unterricht in der Kirche. An fast jedem Tag in der Woche kommen Kinder und Jugendliche zum Katechismus-unterricht, in dem sie auf die Taufe, die Erste Hl. Kommunion oder die Firmung vorbereitet werden. Viele kommen dreimal die Woche über einen Zeit-raum von einem halben Jahr, bevor sie getauft oder gefirmt werden; manche auch länger und kurz vor dem Fest auch oft jeden Tag. Daneben probt der Kirchenchor, der jeden Sonntag singt (es gibt keine Gesangsbücher, weswegen hauptsächlich der Chor singt), mindestens drei Mal pro Woche und vor großen Festen auch schon mal an jedem Tag. Doch der größte Unterschied ist wohl, dass sich religiöse Zusammenkünfte nicht nur auf die Kirche beschränken. Dazu muss man sich einmal kurz die Organisation unserer Gemeinde vor Augen halten. Die Pfarrei St. Lukas Endulen besteht aus dem Hauptort Endulen und neun Außenstationen. In Abhängigkeit von der Größe der christlichen Bevölkerung ist jeder einzelne Ort nochmal unterteilt in die sogenannten Jumuiya (engl. small christian communities / dt. kleine christliche Gemeinschaften). In Endulen selber haben wir zehn solcher Gemeinschaften von unterschiedlicher Größe.

Giraffen im Morgengrauen 50m von den Gasthäusern entfernt.

Giraffen im Morgengrauen, 50m von den Gasthäusern entfernt.

Diese Gemeinschaften spielen eine wichtige Rolle in der Kirche. Einmal pro Woche trifft man sich abwechselnd in einem der Häuser der Mitglieder. Dort wird dann (ohne Priester) zusammen gebetet, gesungen, das Tagesevangelium gelesen, Fürbitte gehalten und aktuelle Anliegen besprochen. Nach dem Evangelium darf jeder das Wort ergreifen und etwas dazu sagen; sozusagen eine improvisierte Gruppenpredigt. Die Gemeinschaften haben allerdings noch eine viel tiefer liegende Aufgabe als die wöchentlichen Zusammenkünfte. Sie sind dafür verantwortlich, jedes ihrer Mitglieder im Glauben zu unterstützen, jeden zu er-mutigen, wieder regelmäßig an den Treffen teilzunehmen und aufeinander achtzugeben. Sollte sich ein Mitglied in einer Notlage befinden, wird hier diskutiert, wie man ihm helfen kann; ist jemand im Krankenhaus, wird man ihn besuchen und etwas zu essen mitbringen (im Krankenhaus muss man sich oft selbst versorgen). Kirche in Endulen bedeutet vielen Menschen vielmehr als nur der sonntägliche Kirchgang.

* Dieser Text ist ein Auszug aus dem Mairundbrief 2018 von Felix Fuchs. Der 19 Jährige MaZler (Missionar auf Zeit) stammt aus Brombach (Stadt Overath) im Bergischen Land, 40km außerhalb von Köln. Am 24. August 2017 reiste er nach Tansania, um sich einen Traum zu verwirklichen. Er bekam die einmalige Chance für ein Jahr in Endulen zu leben, langsam immer mehr von den Menschen, der Sprache und der Kultur zu lernen und einen Einblick in die weltweite Kirche zu erhalten. Am 12. August 2018 wird nach er Deutschland zurückkehren.

Autor: Felix Fuchs (MaZler)

 
 

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