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Wenn der Alltag vom gelebten Glauben durchdrungen wird … 3

14.08.2018

Teil 3

Kirche in Endulen ist mehr als nur eine Institution. Sie ist für viele Menschen ein wesentlicher Bestandteil des Alltags, für den man sich Zeit nimmt, den man ganz selbstverständlich unterstützt und der kaum wegzudenken ist.

Felix Fuchs

„Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, als MaZ (Missionar auf Zeit) nach Endulen zu gehen." Felix Fuchs

Eine katholische Messe ist eigentlich überall auf der Welt gleich und so verstand ich auch schon in meiner ersten Messe hier mehr oder weniger, was gerade passierte, obwohl ich die Sprache nicht beherrschte. Dennoch gibt es auch einige Sachen, die anders sind. Von meinem Gefühl her ist eine Messe hier gleichzeitig strenger in ihrem Ablauf und von der Atmosphäre her lockerer. So ist zum Beispiel eine Messe ohne Schuldbekenntnis und Kyrieruf nahezu undenkbar, aber gleich-zeitig gibt es zu jedem Lied für den Chor rhytmische Tanzbewegungen und nach den Vigilmessen an Ostern und Weihnachten herrscht weniger eine feierliche Stimmung, sondern vielmehr eine Feierstimmung. Im Gegen-satz zu Deutschland wird hier (wie fast überall auf der Welt) stets eine zweite Lesung gelesen und eine deutlich längere Predigt gehalten. Nach der Predigt gibt es wie bei uns eine Kollekte. Jedoch funktioniert das hier ein bisschen anders: Alle Menschen gehen – wie zur Kommunion – nach vorne, während der Chor singt, und werfen Geld in eine große Box. Will man dann später zur Kommunion gehen, ist man vielleicht ein bisschen verwirrt, denn lange nicht alle Menschen gehen zur Kommunion. Das liegt daran, dass man hier nur zur Kommunion geht, wenn man sich dazu bereit fühlt.

Abschlussmesse nach Einkehrtagen für junge Menschen

Abschlussmesse nach Einkehrtagen für junge Menschen.

Wenn man zum ersten Mal in eine tansanische Messe geht, erlebt man dann am Ende der Messe eine Überraschung, denn es gibt noch eine zweite Kollekte (für die Katechisten). Am Ende jeder Messe gibt es – wie bei uns auch – die Vermeldungen, jedoch dauern diese hier oft deutlich länger, denn da alle gerade versammelt sind, wird die Chance genutzt, auch aktuelle Dinge in der Gemeinde kurz anzusprechen. Insgesamt dauert die Messe bei uns circa 1,5 – 2,5 Stunden. Wie bei uns auch, sind sehr viele Menschen hier in christlichen Gruppen organisiert. Neben dem Chor und der katholischen Frauengemeinschaft gehört man hier aber in erster Linie seiner Gemeinschaft und Altersgruppe an. Dazu engagieren sich viele in den zahlreichen Komitees und Gremien wie dem Pfarrgemeinderat, dem Liturgie- oder dem Baukomitee. Jede dieser Gruppen in der Gemeinde hat ihre speziellen Aufgaben. So ist es zum Beispiel die Pflicht der kleinen Gemeinschaften, abwechselnd zweimal pro Woche die Kirche zu putzen oder die der Jugendlichen, rund um die Kirche das Gras von den Wegen zu hacken und die Wegbegrenzungen zu setzen. Vor den großen Festen wird die Kirche immer aufwändig unter Anleitung einer Schwester geschmückt und auch zusätzlich Kirchgänge wie das regelmäßige Beten des Kreuzweges vor Ostern oder einer Novena (neuntägiges Bittgebet) vor Weihnachten und Pfingsten sind üblich.

P. Albano Mwombeki, CSSp ist der leitende Pfarrer der katholischen Gemeinde in Endulen.

P. Albano Mwombeki, CSSp ist der leitende Pfarrer der katholischen Gemeinde in Endulen.

Doch neben den kleinen Unterschieden in der Messe und dem Konzept der kleinen christlichen Gemeinschaften gibt es noch einen weiteren Unterschied. Im Gegensatz zu einigen Ländern und Regionen in Süd-amerika, wo es teilweise ähnliche Herausforderungen für die Kirche gibt, sind Strömungen wie die Befreiungstheologie oder verheiratete Männer, die als Gemeindevorsteher agieren, in der tansanischen (und afrikanischen) Kirche völlig unbekannt.

Kirche in Endulen ist mehr als nur eine Institution. Sie ist für viele Menschen ein wesentlicher Bestandteil des Alltags, für den man sich Zeit nimmt, den man ganz selbstverständlich unter-stützt und der kaum wegzudenken ist.

* Dieser Text ist ein Auszug aus dem Mairundbrief 2018 von Felix Fuchs. Der 19 Jährige MaZler (Missionar auf Zeit) stammt aus Brombach (Stadt Overath) im Bergischen Land, 40km außerhalb von Köln. Am 24. August 2017 reiste er nach Tansania, um sich einen Traum zu verwirklichen. Er bekam die einmalige Chance für ein Jahr in Endulen zu leben, langsam immer mehr von den Menschen, der Sprache und der Kultur zu lernen und einen Einblick in die weltweite Kirche zu erhalten. Am 12. August 2018 kehrte er nach Deutschland zurück.

Autor: Felix Fuchs (MaZler)

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