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Von Missionarin auf Zeit zur Botschafterin des Friedens

09.07.2018

Sich aufmachen und auf Neues einlassen, Grenzen überschreiten, Begegnung wagen, Offenheit und Miteinander üben, lebendige Kirche erleben und weltkirchliche Verbundenheit spüren, das ist für den Einzelnen und für Kirche und Gesellschaften sehr bereichernd. Anlässlich ihrer Aussendungsfeier am 7. Juli 2018, in der Knechtstedener Basilika, gewährt Annette Funke im Gespräch mit dem Spiritanerpater Samuel Mgbecheta einen Einblick in ihren bevorstehenden Auftrag als Friedensfachkraft in der Zentralafrikanischen Republik.

Familienangehörige, Ehemalige MazlerInnen, Freunde und Spiritanermitbrüder beten mit und für Annette Funke.

P. Samuel: Sechs Jahre lang warst Du Länderreferentin des Kindermissionswerkes „Die Sternsinger“ für die Zentralafrikanische Republik (ZAR). Kannst Du deine Aufgabe kurz erklären?

Annette Funke: Als Länderreferentin war ich für den Partnerdialog und die geförderten Projekte in der ZAR mitverantwortlich. Diese Arbeit hat mir viel Spaß gemacht und mich dieses Land ein Stück kennenlernen lassen. Allerdings ist Kommunikation und Zusammenarbeit über große Entfernung hinweg nicht leicht, insbesondere in schwierigen Kontexten und mit schwachen Partnerstrukturen kommt sie leicht an ihre Grenzen. Es war faszinierend zu sehen, wie engagiert und lernwillig einige Partner waren und wie sie trotz der vielfältigen Herausforderungen gute Ideen umsetzen konnten. Das hat mir gezeigt, dass es sich lohnt in Beziehungen und Inhalte zu investieren und Projektförderung nicht als rein administrative Arbeit zu verstehen. Genau das möchte ich mit meiner Arbeit vor Ort fortsetzen und vertiefen.

Annette Funke, Botschafterin des Friedens in der Zentralafrikanischen Republik.

Annette Funke, Botschafterin des Friedens in der Zentralafrikanischen Republik.

P. Samuel: Ab August 2018 wirst Du als Friedensfachkraft der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V. (AGEH) mit den Spiritanern in der ZAR zusammenarbeiten. Die ZAR ist kein leichtes Pflaster. Das Land befindet sich gerade in einem kriegsähnlichen Zustand. Wie ist diese Entscheidung zustande gekommen?

Annette Funke: Wir hören hier fast nichts über dieses Land. Die Krise in der ZAR ist eine der meist vergessenen Flüchtlingskrisen weltweit. Die Hälfte der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen. Und gleichzeitig ist es beeindruckend, wie sich die religiösen Vertreter für Frieden einsetzen, wie Menschen mutig der Gewalt widerstehen und wie ihr Glaube ihnen dabei hilft. Es ist ein schönes, grünes Land, gastfreundlich und spannend. Das Land ist mir ans Herz gewachsen und ich möchte es gerne besser kennenlernen. Und es verdient, dass Menschen sich dorthin aufmachen, Leben teilen und so die Hoffnung und das Gefühl von Solidarität stärken.

P. Samuel: Wie stellst Du dir diese Zusammenarbeit vor?

Annette Funke: Es wird viele Herausforderungen in der Zusammenarbeit geben. Nicht zuletzt ist die Sicherheitslage entscheidend, was wie wo wann getan werden kann. Das erfordert eine gute Kommunikation, Vertrauen und Flexibilität. Ich werde anfangs erst mal viel lernen und verstehen müssen. Aber mit der Zeit hoffe ich auf eine gute und zielführende Zusammenarbeit.

P. Samuel: Was versteckt sich unter dem Begriff „Friedensfachkraft“? Mit anderen Worten, mit welcher Aufgabe bist Du betraut?

Annette Funke: Frieden ist ein großes Wort. Haben wir in Europa Frieden? Was macht Frieden aus? Letztendlich kann und muss jede und jeder Einzelne im Kleinen zum Frieden beitragen, damit es ihn gibt. Ich werde nicht bei großen Friedensverträgen, politischen Prozessen oder gesellschaftlichem Wandel mitarbeiten, sondern dort, wo Menschen mutig kleine Schritte gehen, um Zusammenleben möglich zu machen. Die Spiritaner arbeiten mit einem Straßenkinderzentrum zusammen, sie helfen, Kinder wieder in ihre Familien oder in Gastfamilien zu (re)integrieren und zu begleiten. In diesem Projekt und in der Mädchenförderung werde ich die Mitarbeiter in Projektarbeit, Administration, Konzeption und durch Fortbildungen unterstützen. Zusätzlich werde ich noch mit einer anderen lokalen Nichtregierungsorganisation (NGO) arbeiten, die mehrheitlich mit der muslimischen Bevölkerung arbeitet.

P. Samuel: Wann geht die Reise los?

Annette Funke: Ich werde Mitte August aufbrechen.

P. Samuel: Wie lange wirst Du in der ZAR leben und arbeiten? Ist der Einsatz zeitlich begrenzt?

Annette Funke: Mein Einsatz als Fachkraft im zivilen Friedensdienst (ZFD) wird staatlich gefördert und ist zunächst für 3 Jahre geplant. Ob 3 Jahre lang oder zu kurz sind, hängt von der Arbeit und der Situation vor Ort ab. Die Partner freuen sich schon sehr auf mich und haben viel vor. Es kommt darauf an, wie sich die Zusammenarbeit vor Ort entwickelt, ob die Finanzierung gesichert ist und natürlich auf Sicherheitsfragen und die eigene Gesundheit.

P. Samuel: In Vorbereitung auf diesen Einsatz halte ich es für angebracht folgende Frage zu stellen: wie fühlst Du dich?

Annette Funke: Ich habe schon 3 Monate Vorbereitungskurse hinter mir. Da wachsen langsam die Ungeduld und der Wunsch ausreisen zu können. Ich fühle mich gut vorbereitet und freue mich, dass es bald losgeht. Bis dahin bin ich noch gut beschäftigt mit Kursen, Packen, Wohnung auflösen, Verabschieden… Das ist eine intensive und anstrengende, aber auch spannende und bereichernde Zeit. Und ich bin sehr dankbar für all die Unterstützung und Ermutigung, die ich erfahre.

Pater Gasto überreicht Annette das Licht, Zeichen des Licht Christi, das ihren Weg in der Zentralafrikanischen Republik leuchten wird.

Pater Gasto überreicht Annette das Licht, Zeichen des Lichts Christi, das ihren Weg in der Zentralafrikanischen Republik leuchten wird.

P. Samuel: Im Jahr 2000/2001 warst Du als Mazlerin in Senegal tätig. Wie war Deine Erfahrung damals? In wie weit hat diese Erfahrung Deine spätere Entscheidung in der Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten und Deine künftige Tätigkeit in der ZAR beeinflusst?

Annette Funke: Meine MaZ-Erfahrung im Senegal vor 18 Jahren hat mich persönlich, spirituell und beruflich stark geprägt. Auch meine langjährige Verbundenheit zu den Spiritanern zeugt davon. Ich selbst sehe meinen Beruf und Einsatz als Berufung an, sozusagen eine moderne Form des „Missionarin-seins“ durch mein Engagement aus dem gelebten Glauben heraus. Ohne MaZ damals wäre ich beruflich einen völlig anderen Weg gegangen.

P. Samuel: Von MaZ-Rückgekehrten hört man das Sprichwort „Einmal MaZ, immer MaZ“. Kann der bevorstehende Einsatz in der ZAR als „eine Fortsetzung des MAZ-Einsatzes“ betrachtet werden?

Annette Funke: In der Tat fühlt es sich wie ein zweites Mal MaZ an. Zwar werden meine Aufgaben durch den Arbeitsvertrag als Friedensfachkraft etwas andere sein, aber innerlich fühlt es sich für mich so an. Meine Motivation und Einstellung ist vom MaZ-Geist durchdrungen.

P. Samuel: Was würdest Du jungen Menschen mit auf dem Weg geben, die eine MaZ- Auslandserfahrung sammeln möchten?

Annette Funke: Eine MaZ-Auslandserfahrung ist für das ganze Leben wertvoll. Sich aufmachen und auf Neues einlassen, Grenzen überschreiten, Begegnung wagen, Offenheit und Miteinander üben, lebendige Kirche erleben und weltkirchliche Verbundenheit spüren, das ist für den Einzelnen und für Kirche und Gesellschaften unheimlich bereichernd. Es verändert unseren Blick auf uns selbst, auf unser Land, auf unsere Kirche und auf das „Fremde“, das plötzlich verständlicher und vertraut wird. Es macht unseren Glauben weit und groß, das ist ein Geschenk.

P. Samuel: Was wünschst Du dir für Deinen Aufenthalt und Einsatz in der ZAR?

Annette Funke: Gesundheit und Sicherheit für mich und die Menschen, mit denen ich arbeiten werde. Begegnung und Gemeinschaft, Freude und Humor, Gottes Wirken zu erkennen und teilen zu können, was uns ausmacht. Und dass ich durch meinen Einsatz dazu beitragen kann, dass uns hier in Europa die Menschen anderswo ans Herz wachsen, anstatt Angst zu schüren und Grenzzäune zu errichten.

Bischof Peter Marzinkowski stellt Annette unter Segen Gottes.

Bischof Peter Marzinkowski stellt Annette unter den Segen Gottes.

Doris Köhncke, Assoziierte Spiritanerin, gibt Annette Worte der Ermutigung mit auf dem Weg.

Doris Köhncke, Assoziierte Spiritanerin, gibt Annette Worte der Ermutigung mit auf den Weg.

Mitfeiernde Priester und Gottesdienstteilnehmer singen das Eröffnungslied.

Mitfeiernde Priester und Gottesdienstteilnehmer singen das Eröffnungslied.

Gottesdienstteilnehmer singen mit.

Gottesdienstteilnehmer singen mit.

Annette_Funke

Annette freut sich über ihren neuen missionarischen Auftrag.

Gruppenfoto

Gruppenfoto.

Autor: P. Samuel Mgbecheta, CSSp

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